Aller Anfang ist schwer! Was brauche ich unbedingt?
Ich möchte Ihnen hier zu Ihrem neuen Hobby, die Ahnenforschung, vorerst einmal gratulieren.
Mit diesem Artikel will ich Ihnen mit einigen grundlegenden Informationen helfen und eine Übersicht aus meinen Erfahrungen geben. Ich habe viele Freunde und Bekannte, die mit großem Eifer die Ahnenforschung begonnen haben, und die mir bereits nach kurzer Zeit alle von denselben Problemen berichtet haben, wie sie nach den ersten Schritten bei ihrer Arbeit ins Stocken geraten sind. Einige von ihnen haben dann mit ihrer begonnenen Arbeit aufgehört, andere haben ihr Familien Projekt auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, wenn sie dann "mehr Zeit haben", und andere haben einen meiner Workshops besucht und dabei vor allem gelernt, ihr Hobby mit den anderen Lebensinteressen in Einklang zu bringen.
Mit meinen Ratschlägen hier lüfte ich die Decke über dem geheimnisvollen Wissen von alterfahrenen Profis, und plaudere mit Ihnen einmal über das Ziel der genealogischen Arbeit - und was Sie erreichen können. Am Anfang haben alle privaten Ahnenforscher das Ziel, ihre Ahnen so umfangreich wie möglich kennen zu lernen, und etwas über deren Lebensumstände zu erfahren. Aus dieser Motivation heraus habe auch ich einfach nur feststellen wollen wer meine Urgroßeltern waren und woher sie abstammten. Im Familienkreis hörte ich mich um, ob jemand Unterlagen oder Fotos hat und bekam verschiedene, abweichende Informationen.
Meine Großmutter hatte vor 30 Jahren auch eine kleine Familiengeschichte zusammengeschrieben und durchaus plausibel die Herkunft der Famile beschrieben. Ich konnte nun auf einem Blatt Papier einen Stammbaum über dreieinhalb Generationen aufzeichnen. Die halbe Generation betraf die Urgroßmutter mütterlicherseits, über die, so schien es, nichts bekannt war. Mit ein paar weiteren Kontakten und Gesprächen fand ich dann in kurzer Zeit auch die Antwort auf die Frage. Dabei lernte ich einige Cousins persönlich kennen, mit den ich mich auch heute noch sehr gut verstehe.
Was mich störte, und Sie wahrscheinlich auch bei Ihrer Arbeit stören wird, dass die gesammelten Informationen unterschiedlich waren und ich keine klare Erzählung zusammenstellen konnte. Ich war skeptisch geworden. Was macht man nun in dieser Situation? Ich empfehle alle vorhandenen Unterlagen zu sortieren und eine Liste aller Fragen aufzustellen. Dann die folgenden Prinzipien anzuwenden.
1. Prinzip
Die vorhandenen Unterlagen sammeln und mit allen lebenden Personen im intensiven Kontakt das Wissen zu katalogisieren. Seien Sie dabei so hartnäckig und tolerant wie möglich. Notieren Sie alle Gespräche, machen Sie Kopien aller verfügbaren Unterlagen, fotografieren Sie die Personen, die Unterlagen, alles, was Ihnen wichtig und unwichtig erscheint. Besuchen Sie Friedhöfe, fotografieren Sie Grabsteine von verschiedenen Verwandten, notieren Sie die lesbaren und nicht lesbaren Daten. Mit Ihren Notizen und Unterlagen fragen Sie wieder und wieder in der Familie nach - und konfrontieren Sie die Gesprächspartner/Briefpartner mit bekannten neuen Informationen.
Entwickeln Sie eigene Fragetechniken - abgestimmt zu den Persönlichkeiten Ihrer Umgebung. Wenn Sie das nicht laufend tun, dann laufen Sie Gefahr, dass Unterlagen verschwinden, weggeworfen werden, oder vergessen werden - ältere Menschen bekommen jeden Tag mehr Abstand zu früheren Zeiten und Ereignissen. Oft passiert es, dass ältere Cousins oder Onkel, Tanten auch Ereignisse aus ihrem Leben vergessen, manchmal vergessen sie auch ihre Geschwister zu erwähnen, die Jahrzehnte an einem entfernten Ort leben. Laden Sie sich vielleicht auch einen Fragebogen von unserer Webseite herunter, als Anregung für das Sammeln von Daten.
2. Prinzip
Versuchen Sie die Informationen zu evaluieren. Angewendet wird das mit einem Gradmesser der Sicherheit. Die üblichen Zahlen von 0 bis 3 als Sicherheitsstufe können von Ihnen so angewendet werden:
- 0 - bedeutet keine Unterlagen, unbekannt, nur vom Hörensagen.
- 1 - habe davon gehört, dürfte wahr/richtig/logisch sein, habe noch keinen Beweis gesehen.
- 2 - habe Vertrauen zu dieser Information, zu dieser Person, die Information ist, aus den anderen Unterlagen entnehmend, glaubwürdig.
- 3 - habe diese Quellen/Unterlage zu der relevanten Information geprüft, und/oder im Original, oder als Kopie selbst in meinem Archiv.
3. Prinzip
Haben Sie Geduld. Bei allen Ihren Forschungsaufgaben stoßen Sie immer wieder auf einen Punkt, bei dem Sie nicht weiterkommen. Nehmen Sie ruhig die Hilfe von Anderen in Anspruch, oder überlegen Sie, ob Sie diesen Todpunkt mal beiseite lassen und über andere Wege lösen können. Notieren Sie sich aber unbedingt die bestehende Situation, damit Sie mit zunehmendem Datenvolumen nie die Übersicht verlieren. Verwenden Sie von Anfang an ein Deckblatt zu jeder Personen- oder Familienunterlage die Sie ermittelt haben, und tragen dort den Verlauf Ihrer Arbeiten ein.
4. Prinzip
Schaffen Sie eine Ordnung in Ihren Unterlagen. Keine Sorge, Sie werden während Ihrer weiteren Arbeit immer wieder eine neue Ordnung schaffen müssen. Ich empfehle Ihnen für den Anfang einfach 3 Ordner: Einen für die Korrespondenz und die Musterbriefe (einige können Sie hier auf dieser Seite herunterladen) und Ihre Projektbeschreibung; einen Ordner für die Personendaten und Familieninformationen; und schließlich einen Ordner mit den Quellinformationen und alle sonstigen Informationen, die Sie momentan nicht brauchen (natürlich wieder mit einem Deckblatt als Inhaltsverzeichnis). Da werden Sie auch ein Blatt haben, in dem Archivadressen mit Öffnungszeiten notiert sind, Fotos und Allgemeine Unterlagen.
Ich habe das Prinzip bei meiner Arbeit, sobald mehr als 30 Informationen thematisch gesammelt vorliegen, erstelle ich dazu ein Inhaltsverzeichnis, dann muss ich nicht nachdenken und es im Kopf behalten. Wenn Sie nun zu genealogischen Terminen außer Haus gehen, dann haben Sie nur 2 Ordner mitzunehmen. Ihre Deckblätter zu den Themen ermöglichen sehr fruchtvolle Gespräche und rasche Evaluierung von alten und neuen Informationen.
Noch ein Tipp zur Organisation: keine Genealogie Software, die ich kenne, ermöglicht die Terminplanung und Arbeitsorganisation – also verwende ich meinen Lotus-Organizer zur Verfolgung meiner Pläne und Arbeiten. Prinzipiell habe ich einen fixen Tag für die Ahnenforschung auf ein Jahr voraus eingeteilt. Diesen Termin darf kein anderer Termin überlagern, so habe ich mich diszipliniert und meine Kontakte wissen, dass ich in diesem Zeitfenster immer erreichbar bin, bzw. dass ich am Genealogie Projekt arbeite.
Ich fasse zusammen: mit diesen wenigen Tips für ein methodisches Arbeiten, können Sie jederzeit unterbrechen und finden Sie auch nach längerer Zeit wieder Anschluss bei den Todpunkten oder offenen Arbeiten. Schreiben Sie mir doch Ihre Erfahrungen oder Meinung zu diesem Thema, ich würde mich gerne mit Ihnen persönlich unterhalten (EMAIL an: tudor@genaustria.at) – immer, ganz bestimmt am Mittwoch Abend.
Sind Sie mit Ihrem Hobby schon weiter gekommen und möchte weitere meiner Erfahrungen kennen lernen, dann lesen Sie die nächsten Kapitel von Harry’s Tips bei GenAustria.at
